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Bildung in einer digitalisierten Welt

#BiDiWe15 ist der zugehörige Hashtag für die SPD-geführte Veranstaltung am 15. Juni 2015 im Paul-Löbe-Haus des Bundestages. Im Workshop zu den OER (Open Educational Resources) ging es emotional zu. Gegner und Befürworter versuchten verbal zu punkten. Der Autor notierte sich Stichworte und Redner, um nach der Veranstaltung deren Positionen zum Thema zu recherchieren. Kritiker der offenen Bildungsmaterialien konnten, wie erwartet, den Lobbyisten aus den Bildungsverlagen zugeordnet werden. Ihre Argumente bezüglich der Qualitätssicherung könnten zutreffend sein, wenn man den OER-Autoren kein Honorar für die Freigabe Ihrer Materialien zahlt. Entfällt dann bei den OER auch noch das Lektorat vor der ersten Veröffentlichung und setzt man auf hobbymäßig organisierte Tauschplattformen als einzige Bezugsquelle der freien Bildung, könnte man den Warnungen der Kritiker möglicherweise zustimmen.
Die Nutzung von OER ist jedoch schon per Definition kostenlos (open). Die Erstellung hingegen wird kaum kostenlos sein. Bildung ist die Voraussetzung für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Deshalb haben öffentliche Bildungsträger und die Wirtschaft großes Interesse am Gelingen und könnten bereit sein, für gute und freie Bildungsmaterialien angemessene Honorare zu zahlen. Nach dem Workshop erstellte Konrad Rennert ein Video mit vergleichenden Kostenabschätzungen, um zu zeigen, dass OER-Autoren und Lektoren vergleichbar honoriert werden können wie bei den konventionellen, Papier-basierten Materialien. Das gesamte Einsparpotential beträgt dennoch 80 %, weil Druck- und Verteilkosten sowie Werbekosten und Margen bzw. Handelsspannen entfallen. Die genannte Prozentzahl ist leicht nachvollziehbar, wenn man sich darüber im Klaren ist, dass dem Autor eines Buches nur etwa 10% vom Umsatz zufließen. Einen Betrag in Höhe des Autorenhonorars sollte ein OER-bereitstellender Online-Verlag, für das Lektorat und seine sonstigen Handlungskosten einkalkulieren. Darin enthalten sind auch die Kosten für einen Download-Server.

Das Video für den Honorar- und Kostenvergleich hat Konrad Rennert bei YouTube bereitgestellt. Er stellt dort auch den Link zum Download der zugehörigen Excel-Arbeitsmappe mit der Barwertformel zur Verfügung. Die Barwert-Finanzfunktion ist für die Bewertung der Einmalzahlung von Honoraren notwendig, damit sie mit regelmäßig gezahlten Honoraren von Verlagen vergleichbar werden. Die gleiche Funktion kommt übrigens auch bei der Einschätzung von Angeboten für Sofortrenten zum Einsatz.
Die kurze Exkursion in die Finanzmathematik zeigt, dass der bei bildungsmedien.de behauptete Verlust von Autoreneinkommen falsch ist, wenn angemessene Einmalzahlungen geleistet werden. Ebenso falsch ist die beim Workshop postulierte Kritik an der Qualität offener Bildungsmaterialen. Die Qualität einer OER-Erstausgabe kann genauso durch Lektoren gesichert werden wie bisher. Die öffentlichen Auftraggeber oder die Wirtschaft müssen nur bereit sein, für gute Qualität von OER auch angemessen zu zahlen.
Den Text auf den diese Lobbyistenkritik Bezug nimmt, finden Sie im Internet, wenn Sie nach bk14_feldmann.pdf suchen. Die im Video eingebauten Zitate stehen auf Seite 21 und 22 des PDF-Dokumentes. Die von Herrn Feldmann veröffentlichte Verlagskalkulation am Beispiel eines Schülerbuchs finden Sie auf Seite 31.